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Praxis · Oktober 2026

Angebote ohne Anfahrt: Wie KI im Handwerk die Vorarbeit übernimmt

Deniz Odabas, Manager für KI-Transformation (IHK)

In vielen Handwerksbetrieben läuft eine Anfrage so ab: Der Kunde ruft an, beschreibt sein Anliegen, man vereinbart einen Termin, fährt hin, schaut sich alles an, misst aus, fährt zurück und schreibt abends das Angebot. Je nach Entfernung sind das schnell ein bis drei Stunden, und zwar bevor feststeht, ob überhaupt ein Auftrag zustande kommt.

Genau diese Vorarbeit kann KI heute zu einem großen Teil übernehmen. Ich begleite gerade einen Polsterbetrieb bei Hannover, der das einführt.

So funktioniert es

  1. Strukturierte Anfrage: Auf der Website wählt der Kunde, ob es um eine Reparatur oder eine Neupolsterung geht. Er lädt Fotos hoch und gibt die Maße an.
  2. KI-Entwurf: Im Hintergrund erstellt eine KI aus diesen Angaben einen Entwurf für Angebot oder Kostenvoranschlag, abgestimmt auf die Preise und Erfahrungswerte des Betriebs.
  3. Prüfung durch den Meister: Der Inhaber schaut sich jeden Entwurf an, korrigiert ihn bei Bedarf und gibt ihn frei. Kein Angebot geht ungeprüft an einen Kunden.

Warum das funktioniert

Die KI ersetzt nicht die Erfahrung des Meisters, sie nutzt sie. Sie übernimmt den Teil, der Zeit kostet, aber wenig Können erfordert: Angaben sammeln, ordnen, einen ersten Preis ansetzen. Die Entscheidung bleibt beim Menschen.

Worauf man achten muss

  • Gute Anfrage, guter Entwurf: Das Formular muss genau die Angaben abfragen, die der Betrieb für eine Kalkulation braucht. Das ist die eigentliche Arbeit.
  • Klare Grenzen: Bei ungewöhnlichen Stücken oder unklaren Fotos fährt der Meister weiterhin hin. Die KI soll den Normalfall beschleunigen, nicht jeden Fall entscheiden.
  • Datenschutz: Kunden laden Fotos hoch, oft aus ihrer Wohnung. Das gehört in die Datenschutzerklärung, und mit dem KI-Anbieter braucht es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung.

Das Ziel

Gerechnet aus Fahrzeiten und Abstimmung spart das voraussichtlich 1,5 bis 3 Stunden pro Anfrage. Wie viel es im Alltag tatsächlich bringt, werten wir nach den ersten Wochen aus.

Das Prinzip lässt sich übertragen: auf Tischler, Maler, Fliesenleger und überall dort, wo Angebote heute mit einer Besichtigung beginnen.