Deniz Odabas, Manager für KI-Transformation (IHK)
Kaum eine Regel zur KI hat im Mittelstand so viel Unruhe ausgelöst wie Artikel 4 des EU AI Act, die sogenannte KI-Kompetenz. Schnell war von „Schulungspflicht“ und „Zertifikaten“ die Rede. Zeit für eine nüchterne Einordnung, Stand Oktober 2026.
Was ursprünglich galt
Seit dem 2. Februar 2025 sollten Unternehmen, die KI-Systeme anbieten oder einsetzen, nach besten Kräften sicherstellen, dass ihre Mitarbeitenden über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Das betrifft auch Betriebe, die „nur“ ChatGPT, Copilot oder ähnliche Werkzeuge nutzen.
Was sich geändert hat
Mit dem sogenannten KI-Omnibus hat die EU den AI Act überarbeitet. Die Änderung ist am 27. Juli 2026 in Kraft getreten. Seitdem müssen Unternehmen Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz ihres Personals zu fördern. Ein bestimmtes Kompetenzniveau müssen sie nicht mehr garantieren.
Was das praktisch bedeutet
- Es gibt keine Pflicht zu einem bestimmten Kurs, keine vorgeschriebene Stundenzahl und kein Pflichtzertifikat.
- Die Pflicht ist aber nicht weg. Wer KI einsetzt, sollte zeigen können, dass er etwas für die Kompetenz seiner Mitarbeitenden tut.
- Für Artikel 4 sieht der AI Act selbst kein festes Bußgeld vor. Unklar eingesetzte KI kann aber an anderer Stelle teuer werden, etwa beim Datenschutz oder wenn vertrauliche Daten in falsche Werkzeuge gelangen.
Was ich Betrieben empfehle
- Bestandsaufnahme: Wer nutzt welche KI-Werkzeuge, wofür und mit welchem Konto?
- Eine einfache KI-Richtlinie: Welche Werkzeuge sind erlaubt, welche Daten dürfen hinein, wer prüft Ergebnisse?
- Eine praxisnahe Einweisung: Wie funktioniert KI, wo sind ihre Grenzen, wie geht man sicher damit um? Zugeschnitten auf die Aufgaben im Betrieb, nicht als Theoriekurs.
- Kurz festhalten, was Sie getan haben: wer wann eingewiesen wurde und wo die Richtlinie liegt. Das ist nicht vorgeschrieben, hilft aber, wenn jemand fragt.
Mein Fazit
Die Entschärfung ist keine Einladung, das Thema zu ignorieren. Sie ist eine Chance, es pragmatisch anzugehen. Ein gut eingewiesenes Team nutzt KI sicherer und vor allem wirksamer. Darum geht es eigentlich.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung.