Deniz Odabas, Manager für KI-Transformation (IHK)
Fast jede Woche höre ich von Inhabern denselben Satz: „Wir müssen jetzt auch etwas mit KI machen.“ Das stimmt. Aber die meisten fangen an der falschen Stelle an, nämlich beim Werkzeug. Ein Abo hier, ein Test dort, und nach drei Monaten weiß niemand, ob sich etwas verbessert hat.
Bevor Sie Geld ausgeben, beantworten Sie drei Fragen.
1. Wo verliert Ihr Betrieb jede Woche die meiste Zeit?
Nicht gefühlt, sondern konkret. Angebote schreiben, E-Mails beantworten, Termine koordinieren, Unterlagen suchen. Schreiben Sie die drei größten Zeitfresser auf und schätzen Sie grob, wie viele Stunden pro Woche dafür draufgehen. Dort liegt Ihr erster Hebel, nicht beim neuesten Werkzeug.
2. Wiederholt sich die Aufgabe, und folgt sie erkennbaren Regeln?
KI ist stark bei Aufgaben, die oft vorkommen und ähnlich ablaufen: Texte entwerfen, Informationen zusammenfassen, Anfragen vorsortieren. Schwach ist sie dort, wo jede Entscheidung Fingerspitzengefühl, Haftung oder ein persönliches Gespräch braucht. Gute erste Anwendungen sind häufig, regelhaft und gut prüfbar.
3. Wer prüft das Ergebnis, und welche Daten fließen hinein?
KI macht Fehler, oft überzeugend formuliert. Legen Sie vorher fest, wer das Ergebnis kontrolliert. Und klären Sie, ob Kunden- oder Mitarbeiterdaten in das Werkzeug gelangen. Wenn ja, brauchen Sie ein Firmenkonto mit passendem Vertrag statt privater Zugänge.
Was daraus folgt
Ein guter erster Schritt ist klein, messbar und schnell spürbar. Ein Ablauf, ein Werkzeug, vier Wochen Test, danach Bilanz: Wie viel Zeit wurde gespart, was hat nicht funktioniert? Erst dann geht es an den nächsten Ablauf.
Und manchmal lautet die ehrliche Antwort: Hier lohnt sich KI nicht. Auch das ist ein gutes Ergebnis, denn es spart Geld.